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Vertbuisson

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Dieses kleine Dorf verstand es in gekonnter Weise, eine seltene ländliche Harmonie zu bewahren. Seinen Bewohnern gelang dies nicht nur, sondern sie sind es, die sie geschaffen haben. Hier von Naturnähe zu sprechen, wäre noch untertrieben, denn sämtliche Materialien, die zum Erbauen der Gehöfte inmitten des "Hochmoors" verwendet wurden, entstammen der umliegenden Erde; Steine aus dem Venn, Mörtel aus Sand und Kalk, Dachziegel aus gebranntem Ton, Dachstühle, Türen und Fenster aus Holz, Eisenverankerungen und Metallwaren - alles stammt aus dem Gebiet um La Reid.
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Das Werk des heimischen Historikers André Andries mit dem Titel "Lettres de noblesse des habitants de Vertbuisson" (das im Rahmen der Kulturerbetage 2006 vom Fremdenverkehrsverein La Reid herausgegeben wurde) ist das Ergebnis einer 40-jährigen Forschungsarbeit über die verschiedenen Aspekte des Erbes von Vertbuisson unter Einbeziehung von Natur, Geschichte, Architektur, Ethnographie und Kultur. Die Geschichte dieses kleinen Ortes ist von ungeahntem Reichtum. So war er ursprünglich eine Zwischenrast auf dem entlegensten Abschnitt der mittelalterlichen Route La Vèquée, welche die Stadt des Fürstbischofs mit der Abtei Stablo verband, später wurde er schließlich Grenzposten bei der Gründung des Marquisats Franchimont, wobei diese wichtige Route als natürliche Grenze zum Großherzogtum Luxemburg diente. Ab diesem Zeitpunkt bildete das Dorf den Vorposten des Marquisats in den "Kriegen von Porallée" gegen die Untertanen des Gutsherrn von Montjardin. Diese Kriege, die mehr als vier Jahrhunderte andauerten, entwickelten sich zu einem internationalen Konflikt zwischen den österreichischen und französischen Herrscherhäusern, so dass die Gebietszugehörigkeit von Vertbuisson schließlich in einem von der Kaiserin Maria-Theresia von Österreich unterzeichnetem Vertrag und in einem von Kaiser Napoleon I. unterzeichneten Dekret festgelegt wurde. Für alle wichtigen Abschnitte der Geschichte gibt es Anekdoten oder Ereignisse, bei denen Vertbuisson eine Rolle spielt. Das Kulturerbe dieses winzigen Weilers wird von einem erstaunlichen und ungeahnten Reichtum gekennzeichnet: Literatur, Malerei, Musik, Theater und Filme wurden von Künstlern geprägt, die sich von der Unberührtheit dieses Ortes "mit unsäglicher Melancholie" inspirieren ließen.
Im Bewusstsein, hier eines der immer seltener werdenden Beispiele eines authentischen Dorfes zu haben, traf die Kommunalverwaltung von Theux löbliche Maßnahmen zu seiner Erhaltung und Aufwertung; ein Empfangs- und Informationsbereich wurde vom Bauamt am Dorfeingang errichtet, wenn man von der beliebten Wanderroute entlang des Ninglinspo den Ort erreicht, mit Renovierung des schönen Kreuzungskreuzes und einer Infotafel des Grafikers Sylvain Glückmann aus Vertbuisson.

La Charmille

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50 m vom Start der Ninglinspo-Wanderung (Gemeinde Aywaille) entfernt wurde der Laubengang vom Privatier Michel Nys gepflanzt, der das Schloss erworben hatte und den Park gestaltete. Mit einer Länge von 573 m und 4500 Hainbuchen, die zu einer Laube geformt wurden, ist dieser Laubengang der längste Europas. 1979 wurde er in das wallonische Kulturerbe aufgenommen und 1985 von Schülern und Professoren der Landwirtschaftsschule La Reid neu hergerichtet. Am Ausgang von "La Charmille" führt eine Straße nach Vertbuisson. Dieser Abschnitt ist der Rest der alten Lütticher Straße, der so genannten "Vêquée", auf der die Bischöfe ("évêques") von Lüttich zur Abtei von Stablo reisten. Aufgrund seiner Lage an dieser "Vêquée" nahm der Weiler einen besonderen Status ein und diente als Zwischenrast für Reisende, die hier Unterkunft und Versorgung vorfanden. Eine kleine Brauerei existierte hier im 18. Jahrhundert und drei datierte Marienwandkapellchen ("potales") stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Da Vertbuisson unmittelbar neben Porallée lag, ein mit besonderen Freiheiten ausgestattetes Gebiet ("terre franche") in einer Enklave des Großherzogtums Luxemburg, musste es die Rolle des Vorpostens des Marquisats Franchimont übernehmen, um die luxemburgischen Bewohner von Porallée, denen diese besonderen Freiheiten ein Dorn im Auge waren, abzuwehren.

 

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